Dienstag, 25. August 2015

Farbenmix Sweatjacke HUGO - Beispiel 2 / Ein ganz besonderes Projekt in Gedenken an meine Mutter

Nachdem ich euch gestern bereits die erste Hose aus der Herbstserie von Farbenmix gezeigt habe, folgt heute die erste meiner beiden Jacken. Ähm - die Überschrift ist insofern etwas irreführend - denn ich habe die Jacke aus Nicki genäht :-)
Ok - das schöne daran ist ja, dass man sie aus allen dehnbaren Stoffen nähen kann (ich könnte mir auch Jersey mit Teddy-Fütterung vorstellen...). Und da sie etwas weiter und länger als die Bandito ausfällt, kann sie meines Erachtens ebenfalls aus nicht-dehnbaren Stoffen wie Jeans genäht werden... Davon gibt es sogar ein Designbeispiel auf der Übersichtsseite - schaut doch mal unbedingt vorbei, da sind diesmal so unglaublich tolle Beispiele entstanden.
Hugo ist übrigens nicht nur lässig geschnitten, sondern kommt mit 2 Taschen-Varianten daher und ist vorne kürzer als hinten. Zu kaufen sind sowohl die Hose Indigo als auch die Jacke Hugo ab 27.8. bei Farbenmix im Shop.

Lange hab ich überlegt, ob es richtig ist, den heutigen Blogpost so zu schreiben, wie er gleich zu lesen sein wird... Denn bisher hab ich versucht, das Private bis auf Anekdoten weitestgehend hier im Blog rauszuhalten. Aber es gibt Situationen, da muss man über seinen Schatten springen und heute ist so ein Tag... Denn er ist meiner vor dreieinhalb Jahren verstorbenen Mutter gewidmet, die heute ihren 70. Geburtstag feiern würde...
Während ich hier sitze und das schreibe, kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich sie nie wieder sehen werde... Jedes Mal am 25.8. hatte ich überlegt, es in einem Blogpost zu erwähnen - und dann habe ich es doch wieder nicht getan.

Es folgen jetzt erst mal wieder UNMENGEN an Fotos - ich glaub, seit Sandy die vorherigen Aufnahmen gemacht hat, bei denen ich aus gefühlten 1.000 ca. 20 rausgesucht habe, werde ich in Zukunft nie wieder nur ein paar raussuchen können hihi... Und hier kommt mein bisheriges Meisterwerk an unfassbar schräg kombinierten Farben - woran das liegt, erzähl ich dann weiter unten:




 



Wer sich nun fragt, wie um Himmels Willen man denn bloß auf so eine merkwürdige Farbzusammenstellung kommt: das hat mehrere Gründe.

Erstens: ich mag keine Jogginganzüge nähen. Hätte ich die Jacken passend zu den Hosen genäht, hätte Lorena die niemals zusammen tragen können - denn wer schickt sein 8jähriges Kind schon im Jogger zur Schule?? Da ich ja immer nur ganze Kombis nähe, war es mir lieber, die Jacke passt zu einem Kleidungsstück, mit dem mein Kind sich morgens auf den Schulweg macht. Und da ich ja hier schon unseren Recyclerock (aus einer alten Cordhose vom Bruder) gezeigt habe, die aus ähnlich schrägen Farben besteht, brauchten wir hierfür noch ein Jäckchen für den Übergang.  








Zweitens: das bin ICH: So ticke ich. Ich möchte nicht immer nur gefällige Farben kombinieren - ich versuche schon von Anfang an, meinen eigenen Stil zu finden und der tendiert nicht zu klassisch, sondern ähnlich wie Glitzerblume selbst zu total unmöglich... Sie hat es raus, Farben zu kombinieren, die NIEMAND auf dieser Welt jemals miteinander kombinieren würde und das Ergebnis ist überwältigend... Dahin ist es noch ein weiter Weg für mich - aber ich finde, diese Jacke geht schon mal in die richtige Richtung hihi... Rostbraun mit kiwigrün/rot und oliv mit rosa Streifen zu kombinieren ist auch schon mehr als gewagt...



  




Drittens: *schluck* - ich habe nun etwas getan, was ich schon seit zweieinhalb Jahren vorhabe und bisher einfach noch nicht konnte. Ich habe aus dem Karton der Kleidung meiner Muttter, die ich nicht weggegeben sondern für Recycleprojekte aufbewahrt habe, eine Jogginghose entnommen. Eine, die sie immer im Haus getragen hat und ohne die ich sie mir einfach nicht vorstellen kann... Die ehemaligen Hosenbeine sind nun die Ärmel der heutigen HUGO. Die rosa Streifen hab ich also nicht aufgenäht, sondern die waren so. Vielleicht erkennt sogar der ein oder andere die Hose - die gab es mal vor Jahren bei Tchi...o..
Beim Entstehen der Jacke war ich die ganze Zeit am Zweifeln - nach Fertigstellung wusste ich jedoch: yeah - genauso muss sie sein. Das bin ich - das passt zu Lorena... Das sind ihre Farben...

Bevor ich jetzt mein Schweigen breche und von meiner Mutter erzähle, kurz noch Infos zu den genähten Sachen - denn sicherlich gibt es den ein oder anderen, der jetzt NICHT weiterlesen möchte...

Schnittmuster: Sweatjacke Hugo, Häkelmütze nach dem Ebook "Mützje"
Stoffe: Nicki (z. B. den rostbraunen von Bonny-Bee)
Stickdateien: Love Chirp, Matroschka und Glitzerblumen von Huups, Sweat Lyrics von Bunte Nadel

Und warum breche ich nun mein Schweigen? Wer sich schon mal meine Über-mich Seite angeschaut hat, weiß vielleicht, dass ich kurz nach dem Tod meiner Mutter im Februar 2012 mit dem Nähen angefangen habe. Sie hatte eine alte Singer aus 1966, mit der sie einige Projekte genäht hat und mit der selbst ich in der Schulzeit mit 16 Jahren aus alten Bodentüchern einen Pulli für mich genäht habe. Ohne Schnittmuster.
Achtung - jetzt wird's peinlich... Frau TriMaLo mit Nena-Gedächtnis-Schnitt... ;-)

Frau TriMaLo 1982

Ich fühle mich auch mit fast 50 noch zu jung um ohne Mutter zu leben - das klingt blöd, weil ich früher immer dachte: "Wie gut, dass meine Eltern nur 20 Jahre älter sind als ich - dann macht es mir nicht mehr so viel aus, wenn sie mal sterben, weil ich dann selber schon alt bin..." Viel falscher kann man eigentlich nicht liegen - nur gut, dass man das in jungen Jahren noch nicht weiß...

Mal ganz abgesehen davon, dass mir unsere täglichen Gespräche fehlen (wir waren eigentlich nur im Doppelpack anzutreffen, egal wo, wir waren immer zu zweit, beim Shoppen, bei Unternehmungen oder später auch mit den Kindern im Schlepptau), fehlt mir vor allem eins: das Lob. Erst nach ihrem Tod ist mir aufgegangen, was eine Mutter leistet: sie motiviert, lobt und macht aus einem einen besonderen Menschen - ganz egal wie durchschnittlich man ist oder wie blöd man morgens wieder aussieht - für die Mutter ist man die Klügste und Schönste...
Es gibt einen Spruch aus meiner Jugendzeit, den ich bis heute nicht vergessen habe: 

"Seit du fort bist, weiß ich wonach ich suchte, als du noch da warst..."

Man nimmt vieles als selbstverständlich hin wenn das Leben seinen gewohnten Trott geht. Erst wenn es aus den Fugen gerät, realisiert man was fehlt: jemand der einen jeden Tag auf's neue motiviert und einem sagt: "Das hast du aber toll gemacht, sowas könnte ich nicht, wie du das immer machst!" Ja - meine Mutter war wohl stolz auf meine Kreativität - aber von irgendwoher muss ich die ja geerbt haben...
Es ist Balsam für die Seele und erst seit da niemand mehr ist, der mich jeden Tag aufs Neue lobt und mir das Gefühl gibt, wichtig zu sein, habe ich begonnen etwas zu tun, auf das sie - wo auch immer sie jetzt ist - auch nach ihrem Tod noch stolz auf mich sein kann... ich habe zu nähen begonnen, denn sie hat mir immer gesagt: "Ich kann nicht nach Schnittmuster nähen, ich versteh die Linien nicht, das ist mir zu kompliziert." Und im gleichen Atemzug häkelte sie an ihrer 4x 6 m großen Filetdecke weiter... Wer hat meine Mutter eigentlich mal gelobt??? Ich erkenne jetzt erst, was sie da eigentlich Abend für Abend gewerkelt hat...
Jedenfalls habe ich dann tapfer versucht, die Linien auf den Schnittmustern zu verstehen, was vielleicht heute einfacher ist als früher, da es damals noch keine Einzelschnittmuster gab sondern nur die 8.000 Linien in den Burdaheften... Und  so konnte ich ihr stumm sagen: "Siehst du, so schwer ist das doch gar nicht" 

Und ich nähte mein erstes T-Shirt und meine erste Hose und die Projekte wurden immer schwieriger - aber da war niemand, der mir sagte: das hast du toll gemacht. Natürlich waren da Freunde, Mütter anderer Kinder und auch mein Vater - aber das ist nicht dasselbe... Vielleicht war das ein Grund, meinen Blog vor nunmehr genau 2 Jahren zu eröffnen (ja ja ich geb's zu - ich hab meinen 2. Bloggeburtstag schon wieder vergessen...) - damit meine genähten Werke auch von anderen gesehen werden und ich das Lob nun von außen bekomme - von Leuten, die ich eigentlich gar nicht kenne, aber die mit ihren Worten meine Seele streicheln...

Ich kann nur sagen - ich habe erkannt, dass ich in der Vergangenheit meine Kinder viel zu wenig gelobt habe. Es gab immer nur Schimpfe, wenn irgendwas nicht so gut lief - wenn was toll gemacht wurde, wurde das als selbstverständlich hingenommen. Seitdem versuche ich, daran zu denken, meine Kinder zu loben - wann immer es Gelegenheit dazu gibt... Und ich kann euch allen nur sagen: seid stolz auf eure Kinder und zeigt es ihnen - nichts braucht der Mensch mehr als Lob und Zuwendung. Und wenn wir alle mal ehrlich sind - ist das mit Sicherheit  - wenn auch nicht der einzige - aber einer der häufigsten Gründe, warum wir alle hier öffentlich unsere Nähwerke bloggen...

Bevor der Beitrag zu lang wird, ende ich hier... es hat mich bereits auch so schon genug Tränen gekostet und vieles vom Geschriebenen habe ich auch wieder gelöscht, weil ich euch nicht traurig machen möchte. Zum Gedenken zeige ich euch hier zum allerersten Mal ein Foto meiner Mutter...


Und nun noch ein paar Worte zum Genähten, damit ich mal wieder auf andere Gedanken komme. Die komplette Kombi ist recycelt, wie ich soeben feststelle... also mehr Recycling geht echt nicht... Sowas finde ich einfach wunderbar:
Der Rock aus Marians Hose, die Jacke aus Omas Jogginghose und das Shirt (was man im alten Post sieht) aus einem alten Top von mir, und ach - ein paar Stücke aus Marians alter Jeanshose in der Mütze. Schade, dass der Upcycling-Dienstag noch Ferien hat... Daher gehe ich heute nur zu Outnow, Meitlisache, Kiddikram und Dienstagsdinge.

Ich wünsche allen einen schönen Tag und denkt brav daran was ich gesagt habe: lobt eure Kinder!!!!!

Viele liebe Grüße,

Kommentare :

  1. Das hast du ganz wunderbar geschrieben! Ich spar mir deshalb lange Worte und sagnur gaaaaaanz toll gemacht und schick dir ganz ganz liebe Grüße.

    Natalie

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  2. Liebe Martina,

    fühl dich gedrückt! Ich kann dich gut verstehen!
    Meine Oma hat früher auch genäht und ich habe Stunden mit ihr in ihrem Nähzimmerchen verbracht. Leider hat sie meine ersten Nähversuche nicht mehr mitbekommen. Ich glaube, wenn Sie heute meine Sachen könnte, wäre sie so stolz! Wenn sie meine Stickmaschine sehen würde, würde sie sich garantiert auch so ein Ding anschaffen!
    Und diese Gedanken bei der eigenen Mutter zu haben, ist wahrscheinlich noch trauriger. Ich hoffe, dass du beim Nähen auch manchmal das Gefühl hast, dass deine Mutter dir stolz über die Schulter blickt!
    Toll, dass du ihre Sachen "recycled" hast - finde ich grandios!
    Alles Liebe!

    Steffi

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  3. Oh Meine Liebe, wie gerne würde ich Dich jetzt gerade in den Arm und ganz feste drücken wollen .... Danke für diese Worte, die Du gefunden hast und Danke fürs Öffnen Deinerseits. Du hast so Recht, mir ist es so richtig bewusst geworden, wie stolz meine Eltern auf mich sind, zu meiner Diplomierungsfeier. Ich habe nur hinten immer den Kopf meines Vaters gesehen und seine Strahleaugen - sie waren voller Stolz. Ich habe damals die Abschiedsrede gehalten und konnte ihn genau beobachten. Als mein lieber Opi 2006 gestorben ist, hat meine Omi mir auch erzählt, wie stolz er auf mich war ... aber das wusste ich auch ohne besondere Worte. Man ist mit seinen Liebsten halt auf einer anderen Ebene stark verbunden. Früher hat meine Omi genäht und nun nehme ich jedes Mal alles neu genähte mit zu Ihr, um es ihr zu zeigen, weil ich weiß, dass sie stolz ist und weil ich das Gefühl habe, dass sie sich in mich wiederspiegelt. Verstehst Du was ich meine? Ich denke, dass es ihr gut tut - ja auch ihr Lob brauche ich.

    Und ja, ich kann sagen, ich schimpfe nicht nur mit meinen Kindern, sondern ich lobe sie auch ganz viel und danke ihnen, wenn sie mir geholfen haben, denn das ist ein wichtiger Schritt für ihr Leben ....

    Deine Jacke ist übrigens wunderhübsch geworden und jetzt wo ich weiß, welche Erinnerung ganz besonders in den Ärmeln steckt, ist sie ein wahres Goldstück.

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  4. Hallo Martina,

    die Jacke ist sehr schön geworden. Ich mag außergewöhnliche Farbkombinationen, denn u. a. sie machen das Besondere an Selbstgenähtem aus. 0 8 15 kann ich auch im Laden kaufen, dafür brauche ich die Nähmaschine nicht :)

    Es tut mir leid, dass deine Ma schon so früh gehen musste, und es ist mir klar, dass du sie wie verrückt vermissen musst. Vor allem, wenn ihr so einen guten Draht miteinander hattet. Es ist schon wie du schreibst, man nimmt vieles als selbstverständlich hin und weiß manches erst dann richtig zu schätzen, wenn es fehlt. Für deine Kinder ist es nun toll, dass sie ebenfalls eine lobende Mama haben. Und deine Ma wird stolz auf dich schauen. Nicht nur weil du so schöne kreative Dinge zauberst.

    Liebe Grüße
    Marion

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  5. Liebe Martina, Pipi in den Augen! Deine Mutter wäre stolz auf dich! Meine Tochter ist übrigens auf deinen Blog gestoßen, weil ich für meine Mutti, die auch gerade durch Chemo ihre Haare verloren hat, Kopfbedeckungen genäht habe. Und gestern hab ich nun nach deinem Vorbild eine Schirmbeanie genäht. Kannst du bei Instagram mit.hand.und.herz schauen. Ich weiß nicht, ob ich zu dem Kommentar ein Foto hochladen kann.
    Bei vielen deiner Worte habe ich Parallelen gesehen. Meine Mutti ist jetzt 80 Jahre alt. Und ich kann kann mir auch nicht vorstellen, wie es ist, wenn sie mal nicht mehr ist. Ich bin auch durch sie zum Nähen gekommen.
    Die Jacke ist übrigens wundervoll!!

    Liebe Grüße
    Sylke

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  6. Liebe Martina,

    ich habe es Dir ja schon geschrieben, dieser Post hat mir wirklich die Tränen in die Augen getrieben, zumal ich gerade von einem gemeinsamen Ausflug mit meinen Eltern zurückkam, als ich ihn im Auto gelesen habe. Ich hätte Dich so gern feste in die Arme genommen ... Ich glaube, es ist egal, wie lange man seine Mama hat, es ist immer zu kurz. Aber diese Jacke ist einfach so wunderschön und ich bin mir sicher, das deine Mama von dort oben runterschaut, Tag für Tag und vor Stolz auf ihre Tochter platzt. Ich glaube zwar nicht an Gott, aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Seelen die wir lieben nicht einfach verschwinden, sie wachen über uns, irgendwo. Diese Kombination ist traumhaft schön geworden. Ich liebe Deine Farbspielereien und finde sie überhaupt nicht komisch oder ungewöhnlich. All Deine Sachen tragen Deine Handschrift und haben einen unglaublichen Wiedererkennungswert!

    Fühl Dich fest umarmt und gedrückt!
    Sandy

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